March 19, 2021

Wie steigert außeruniversitäres Engagement deine Jobchancen? Ein Personaler berichtet.

Wir haben für euch ein Interview mit Personaler und Karrierecoach Anton Lapin geführt, um von ihm zu erfahren: Wie verbessere ich meine Chancen, bei meinem Traumjob angenommen zu werden? 

“Stell’ dich bitte kurz vor: Wer bist du? Was machst du beruflich?”

“Mein Name ist Anton Lapin, ich bin mittlerweile seit zehn Jahren selbstständig und Partnerunternehmer bei der HORBACH Wirtschaftsberatung. Als Personaler für verschiedene Unternehmen, die mich für diesen Zweck engagieren, bin ich für die Personalauswahl und -einarbeitung zuständig. Ich bin also derjenige, der Bewerber:innen im Vorstellungsgespräch gegenübersitzt und durch gezieltes Fragen nach Talenten sucht, die wirklich zu dem Unternehmen passen. In dieser Funktion habe ich also schon unzähliche Bewerbungsgespräche, Assessment Center und alles was noch dazu gehört, geleitet. 


Vor einigen Jahren habe ich dann die Business Coach Ausbildung abgeschlossen, um zusätzlich zu meiner Position als Partnerunternehmer der HORBACH Wirtschaftsberatung als Trainer arbeiten zu können. So konnte ich meine vielen Erfahrungen unter anderem mit Studierenden an Universitäten teilen, aber auch mit vielen anderen Menschen in meinen selbstorganisierten Karriereseminaren. 


Für mich ist es besonders schön, wenn meine “Schüler:innen” mir zurückmelden, dass sie vorher gar nicht daran gedacht hätten, dass Personaler:innen bestimmte Fragen stellen, oder dass ihnen gar nicht bewusst war, wie wichtig es ist, die eigenen Stärken und Schwächen richtig zu argumentieren. Das ist auch meine Mission: Ich möchte Menschen helfen, den richtigen Job für sich zu finden und ihn dann auch zu bekommen. Es gibt genügend Jobs, es gibt genügend Menschen, es müssen nur die richtigen Schnittstellen gefunden werden! Dieser Mission widmet sich auch mein eigenes Unternehmen.”


“Wie kam es zu einer Zusammenarbeit mit dir und AIESEC?”

”Eines Tages war ich auf Facebook unterwegs und bin auf eine Eventankündigung für ein Seminar von AIESEC in Göttingen aufmerksam geworden mit dem Titel “Du willst ins Ausland gehen - was musst du beachten?” oder so ähnlich. Das fand ich sehr spannend, da wir bei der HORBACH Wirtschaftsberatung dieses Thema Auslandssemester aus Sicht der Versicherungen begleiten. Deswegen habe ich mich einfach mal zu der Online-Veranstaltung zugeschaltet. Besonders spannend fand ich den Teil zum Thema Mindset und wie man einen Auslandsaufenthalt angeht. Anschließend schrieb ich die Organisator:innen an und im Austausch stellten wir fest, dass wir einige Schnittmengen haben und uns gegenseitig unterstützen können. 


Gemeinsamkeiten in unseren Interessen, wenn man es so nennen will, waren vor allem die Themen Leadership (für mich als Führungskraft ist das elementar), Human Empowerment (Menschen befähigen, ihnen etwas geben - das mache ich sowohl in meinem Unternehmen als auch in meiner Funktion als Berater), und grundsätzlich die Förderung studentischen Engagements. So kamen wir zusammen und haben gemeinsam verschiedene spannende Seminare durchgeführt. Seit einigen Monaten bin ich auch mit der nationalen Ebene von AIESEC in Deutschland im Gespräch, wie eine weitere Zusammenarbeit aussehen könnte.


Studentische Organisationen unterstütze ich besonders gerne, weil ich aus Sicht des Unternehmers sagen kann, dass Studierende das Netzwerk-Potential solcher Organisationen unterschätzen, egal um welche Hochschulgruppe es sich handelt. Wenn wir AIESEC als Beispiel nehmen: Die Studierenden sehen vielleicht Plakate und Infostände auf dem Campus, aber dass dahinter die größte studentische Initiative der Welt steckt, wird ihnen gar nicht bewusst. Ich empfehle jedem Studierenden sich unbedingt neben dem Studium zu engagieren, aus zwei Gründen:

  1. Um die Jobchancen zu verbessern
  2. Sich ein Netzwerk (zu potentiellen Arbeitgebern) aufzubauen, das man sich nicht aufbauen kann, wenn man nur studiert

Die Noten sind an dieser Stelle dann gar nicht mehr so extrem entscheidend. Durch die gesammelte Praxiserfahrung und den Zugang zu einem (internationalen) Netzwerk aus potentiellen Arbeitgeber:innen, ist es gar nicht mehr so wichtig einen 1er-Schnitt zu haben.”

“Warum ist ehrenamtliches Engagement deiner Meinung nach wichtig für die späterer Karriere?”

“Hier gebe ich gerne ein Beispiel aus meinem eigenen Unternehmen und wie ich Bewerber:innen auswähle. Wir arbeiten mit einem Ampelsystem. Grün ist ganz oben, und das sind alles Bewerber:innen, die sich in Hochschulgruppen, Fachschaften, oder, oder, oder neben dem Studium engagieren. Noten, Semester oder Abschluss sind mir da erstmal egal. Alle in der grünen Kategorie laden wir zum Assessment Center oder direkt zum Bewerbungsgespräch ein. Danach kommen in der gelben Kategorie alle, die gute Noten haben, aber kein außeruniversitäres Engagement. Rot bedeutet keine guten Noten und kein Engagement. 


So läuft das bei uns als kleines Unternehmen, dass es sich leisten kann, alle Bewerbungen zu sichten und zu selektieren. Bei großen Unternehmen und Konzernen, die nicht die Kapazitäten haben, sich hunderte von Bewerbungen durchzulesen, sind die Auswahlkriterien natürlich viel härter. Hier entscheidet dann doch der Notenschnitt oder das Universitäts-Fach, ob der/die Bewerber:in in die nächste Runde kommt. Alle Bewerber:innen unter einem festgelegten Schnitt (meistens 2,0 oder 2,4) werden vom System direkt automatisch abgelehnt, die anderen gehen im Prozess einen Schritt weiter.


Für kleine und mittelständische Unternehmen allerdings, die alle Bewerbungen anschauen, ist wirklich eines der wichtigsten Auswahlkriterien außeruniversitäres Engagement. Warum entscheide auch ich in meinem Unternehmen so? Ganz einfach: Menschen, die sich neben der Uni engagieren, zeigen, dass sie vom Grundsatz her eher gewillt sind, die extra Meile zu gehen. Die sind vom Grundsatz eher gewillt, mehr zu machen und etwas zu erreichen, denn warum sollte ein Mensch, der eigentlich nur feiern und sein Leben genießen könnte, seine Zeit sonst freiwillig investieren ohne Kohle dafür zu bekommen? 


Außerdem sammelt man in studentischen Initiativen reale Praxiserfahrung. Ein Beispiel: Wenn du in einer Studierendenorganisation, zum Beispiel AIESEC, einen Vorstandsposten bekleidest, dann hast du ja wirklich real mit Projekten zu tun. Du hast mit Unternehmen zu tun, musst bestimmte Prozesse organisieren und manchmal auch ein Team leiten. Du lernst Leadership, Empowerment, Zeitmanagement und Projektmanagement nicht nur in der Theorie, sondern auch praktisch in der Anwendung. Diese Fähigkeiten kann dir keiner nehmen und in der Berufswelt kommen ähnliche Projekte auf dich zu, vielleicht nur in einem größeren Rahmen.


Außeruniversitäres Engagement lässt Bewerber:innen wirklich herausstechen: Von 100 Bewerber:innen, die in meinem Unternehmen anfangen wollen, können zehn reales Engagement in einer studentischen Initiative vorweisen.”


“Was ist Personalern aus deiner Erfahrung noch wichtig, wenn sie Bewerber:innen suchen?”

“Zum einen sind das, wie schon gesagt, Noten. Besonders bei großen Konzernen, die mit Online-Bewerbungen arbeiten und 100 oder 200 Bewerbungen auf eine Stelle bekommen,  ist ein bestimmter Schnitt als Filter eingebaut. Bei Start-ups, oder kleinen und mittelständischen Unternehmen ist das Grundverständnis über Noten etwas anders. Wenn man sich die Chance, in großen Unternehmen arbeiten zu können, nicht verbauen möchte, dann muss man wirklich darauf achten, dass der Schnitt nicht zu schlecht wird. Sonst wirkt man faul.


Ein weiterer Selektionsmechanismus ist oft auch das Anschreiben. Über Computerprogramme werden diese auf Rechtschreibung und Grammatik geprüft, denn Unternehmen erwarten, dass sich der/die Bewerber:in Mühe gegeben hat bei der Bewerbung. Ein häufiger faupax ist auch, dass oben im Stempel der Name des Konkurrenzunternehmens steht. Der Leser erkennt dann natürlich sofort, dass bei der Bewerbung copy-paste zum Einsatz kam. Auch das Bild sollte vernünftig sein. Konfirmationsbilder oder so ähnlich sind ein no-go! Heutzutage kann jedes Handy einigermaßen gute Fotos machen und auch neutrale Hintergründe finden sich leicht. Der äußere Eindruck zählt!


Was auch oft noch unterschätzt wird, ist das eigene Social Media. Selbst in meinem Unternehmen können wir nicht die Social Media Kanäle aller Bewerber:innen kontrollieren, aber wir machen Stichproben. Wenn dann ein Account öffentlich ist, und dort rechtsradikale Inhalte, freizügige oder Partybilder zu sehen sind, lehnen wir den/die Bewerber:in ab. Natürlich hat jeder ein Privatleben, aber wenn das Profil öffentlich ist, zeigt mir der/die Bewerber:in, dass er/sie sich keine Gedanken darüber gemacht hat, wie die Wirkung nach außen ist. Außerdem würde diese Person bei einer Einstellung auch mein Unternehmen repräsentieren. Das kann ich nicht verantworten. Ich empfehle dann also, das Profil auf Privat zu stellen.”


“Was möchtest du abschließend unseren Leser:innen noch mit auf den Weg geben?”

Anton: “Ich rate jedem, der sich noch nicht engagiert, jetzt damit anzufangen. Die reale Praxiserfahrung, die du sammeln kannst und das Netzwerk, dass du dir aufbauen wirst, werden dir auf deinem zukünftigen Karriereweg zu Gute kommen. 


Jetzt, da ich AIESEC besser kennengelernt habe, kann ich sagen, dass Netzwerken hier besonders gut möglich ist. Durch eine Mitgliedschaft sammelt man automatisch internationale Kontakte für die spätere Karriere, aber auch für die aktuelle persönliche Weiterentwicklung. Man lernt ganz verschiedene Charaktere kennen, mit denen man zumindest eine verbindende Gemeinsamkeit hat. Auch Softskills wie Konfliktlösung, Team Management, Rhetorik oder Präsentationsfähigkeit kann man bei AIESEC erlernen.  Allen Menschen, die sich fragen “was bringt mir AIESEC” würde ich auch raten, sich die Werte auf der Homepage einmal anzuschauen.


Schließlich möchte ich auch in meiner Funktion als LinkedIn-Coach darauf aufmerksam machen, welche Möglichkeiten diese Plattform bietet. 1,5 Mio. offene Stellenanzeigen sind allein in Deutschland auf LinkedIn ausgeschrieben. Außerdem findet hier “Active Sourcing” statt. Das bedeutet, dass Personaler, Headhunter und Recruiter aktiv verschiedene Profile sichten und so mögliche Talente anschreiben und zu einer Bewerbung einladen. Also leg dir ein ordentliches Profil an und pflege es. Wer da noch ein paar Tipps möchte, kann mir gerne über LinkedIn schreiben oder eines meiner kostenlosen LinkedIn Seminare besuchen. Auch auf meiner Homepage, die demnächst gelaucht wird, werde ich interessante Inhalte zum Thema Karriere, Stärken/Schwächen-Analyse, Talentanalyse oder Corporate Branding haben, und ich lade jeden ein, dort dann einmal reinzuschauen.”


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