Erfahrungsberichte
May 25, 2020

Ann-Cathrin in Kolumbien: Die Entstehung eines neuen, sozialen Projektes im Ausland

Ann-Cathrin, eine Psychologie-Studentin aus Braunschweig, wollte durch ein soziales Projekt im Ausland nähere Einblicke in ihre zukünftige Arbeitswelt erhalten. 

Durch ihre eigenständige und proaktive Art bekam sie jedoch viel mehr - und erschuf gleichzeitig ein ganz neues Teilprojekt

Ann-Cathrins Erfahrung in 6 Wörtern: Do it. Help. Live. Laugh. Meet.

Doch was hat sie alles erlebt? Was hat sie gelernt und wie kam es dazu, dass sie ein neues Projekt auf die Beine gestellt hat?

Finde es heraus - hier ist Ann-Cathrins Abenteuer:


Mein soziales Projekt in Kolumbien

Ich habe ein soziales Projekt im Ausland bei der Stiftung Ronald McDonald in Kolumbien gemacht.

Die Räume der Stiftung bieten ein vorübergehendes Zuhause für Familien mit Kindern, die sich einer längeren medizinischen Behandlung unterziehen.

Im Hospital General de Medellín stellt die Stiftung mit seinem vielfältigen Raum einen wichtigen Rückzugsort dar und ermöglicht es den Eltern, in der Nähe ihres Kindes zu bleiben. Es werden wöchentlich verschiedene Aktivitäten geplant, die je nach Nachfrage auf die Eltern oder ihre Kinder ausgerichtet werden. Auch der tägliche Besuch einer Lehrkraft ermöglicht es den Kindern weiterhin zu lernen und gefördert zu werden.

Medellin


Meine Aufgaben im sozialen Projekt

Was mich zunächst überraschte, war die Tatsache, dass die geplanten Aktivitäten nicht hauptsächlich auf Kinder ausgerichtet waren, sondern auch viele Mütter zu uns kamen, deren Kinder teilweise noch zu klein waren oder den Raum wegen anderer Gründe nicht betreten konnten. 

Für mich hieß das allgemein erstmal eine Umplanung, da ich mich in Deutschland hinsichtlich der Aktivitäten auf eine junge Zielgruppe vorbereitet hatte. Es hatte mindestens eine Woche gedauert, um zu erkennen, worin die Interessen der Frauen liegen und die Gegebenheiten und Möglichkeiten der Stiftung auszutesten. Ich lernte meine Arbeitskollegen kennen, aber auch die Besucher und schätzte die positive Atmosphäre bei der Arbeit.

Nach der ersten Woche erschlich sich jedoch ein Gefühl der Unterforderung. Aufgrund der großen Sprachbarriere, beziehungsweise noch fehlenden Sprachkenntnissen, gestalteten sich meine Arbeitszeiten mit einfachen Aktivitäten.

Lade dir jetzt unseren Projektkatalog herunter, um die Projekte besser kennen zu lernen


Meine Idee: Ein neues Projekt

Da ich meinen Fokus nicht nur auf den Erwerb von interkultureller Kompetenz, sondern auch auf die professionelle Weiterbildung und Orientierung in der Psychologie gelegt hatte, kam mir die Idee, die Art der Tätigkeiten ein wenig zu erweitern und mein bisheriges Wissen zu integrieren.

Ich bekam eine neue Arbeitskollegin, eine Praktikantin aus dem Bereich der sozialen Arbeit, die aus den USA kommt und zweisprachig aufgewachsen ist. Somit hatten wir beste Voraussetzungen, um auch den sprachlichen Hürden entgegen zu gehen.

Zusammen machten wir den Plan, eine Unterstützungsgruppe für Mütter zu gründen und ein persönliches Teilprojekt der Stiftung Ronald McDonald zu starten. 

Alles ging Schlag auf Schlag und schon am nächsten Tag konnten wir unsere erste Sitzung abhalten, in der, mit vollem Erfolg, nein Mütter unterschiedlichen Alters eintrafen. 

Die Frauen waren sehr offen und es herrschte eine positiv angeregte Stimmung, was uns glücklich machte und mit einem guten Gefühl aus der Stunde gehen ließ. 

Wir gestalteten einen Stundenplan und bereiteten uns auf die nächsten Treffen vor. Die Planung und danach natürlich auch die Umsetzung der Stunden waren für mich unter anderem die Tätigkeiten, die mir am meisten Spaß gemacht hatten.

Ann-Cathrin mit ihrer neuen Arbeitskollegin


Das Wichtigste, was ich durch meine Erfahrung in Kolumbien gelernt habe, ist…

Mit dem Antritt der Reise nach Kolumbien und dem sechswöchigen Aufenthalt in Medellín habe ich eine Entscheidung getroffen, die mich in meinem persönlichen Wachstum und verschiedenen Fähigkeiten stärken sollte.


Meine persönliche Ziele meines sozialen Projektes waren:

  • Stärkung des Selbstbewusstseins
  • Training von interkultureller Kompetenz und Kommunikation
  • Erlernen einer neuen Sprache
  • Orientierung und professionelle Einblicke im Bereich der Psychologie
  • Entwicklung von Führungsqualitäten und lösungsorientierten Herangehensweisen
  • Erweiterung der eigenen Perspektive und transkultureller Austausch
  • Flexibler Umgang mit verschiedenen Situationen


Damit einhergehend war es für mich wichtig, auch eines der Ziele für nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen zu fördern, nämlich "weniger Ungleichheiten (Ziel Nummer 10).


Meiner Meinung nach haben sich meine Ziele nicht nur erfüllt, sondern um weitere Aspekte ergänzt. So hat die lösungsorientierte Herangehensweise bei der Unterforderung im Projekt geholfen, Erfahrungen im Bereich des Projektmanagement und bei der Leitung von Gruppensitzungen mit sich gebracht. 

Die Möglichkeit, dass wir Kontakt und Gespräche mit Psychologen führen konnten, verhalf mir dabei, mir ein Bild zu machen und mich reflektiert mit meinem Studiengang auseinanderzusetzen. 

Ich kam mit vielen Menschen in Kontakt und hatte durch die Bearbeitung des Portfolios für interkulturelle Kommunikation die Möglichkeit, besondere Aspekte der Kommunikation zu betrachten und zu hinterfragen. Auch die schwierige Lage mit dem neuen Coronavirus im Ausland und der damit einhergehenden Ängste und Sorgen meinerseits oder auch der Umgang mit schweren Schicksalsschlägen einzelner Personen ließen mich sehr wahrscheinlich im Umgang mit Problemen wachsen.


Gut zu wissen: Die sozialen Projekte von AIESEC orientieren sich an den Nachhaltigkeitszielen der Vereinten Nationen. Jedes Projekt verfolgt die Verbesserung eines der 17 Ziele. Daher sind die Projekte nicht nur sehr divers - so wie auch die Ziele es sind - weiterhin setzen sich unsere Freiwilligen für eine nachweisbar bessere Welt ein und unterstützen die Zielerreichung der Vereinten Nationen.

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An diese Erfahrungen werde ich mich immer erinnern

Bis zur vierten Woche hin glaubte ich nicht daran, dass das Coronavirus so breite Auswirkungen auf meinen Auslandsaufenthalt haben könnte. Alles ging ganz schnell und bis zur Verkündung der Grenzschließung, ohne Vorwarnung, glaubte man auch noch nicht so recht an die Dringlichkeit der Situation. 

Ich konnte mich nicht einfach so von der Familie, von dem Land, von meinen Plänen verabschieden. Es lief alles sehr gut im Projekt und ich wollte noch mehrere Orte bereisen

Kurz darauf wurde ich krank und konnte eine Woche lang nicht das Bett verlassen. In der Zwischenzeit kam die ausdrückliche Empfehlung abzureisen, die ich in dem Zustand noch nicht umsetzen konnte. Die Unsicherheit hatte mich gequält und man konnte auch nicht abschätzen, wie sich die Situation in einem fremden Land entwickeln würde. 

Wir waren alle aufgelöst. Ich habe es tatsächlich geschafft, den letzten Direktflug über Bogota nach Hause zu nehmen. Ich bin froh wieder hier zu sein, aber für mich steht fest - ich komme irgendwann wieder!

Ann-Cathrin am Erkunden

Ann-Cathrin beim Klettern


Diesen Effekt hat eine Erfahrung wie meine auf die Gesellschaft

Eine besondere Möglichkeit während des Projekts war der Kontakt zu Frau Dr. Luisa Fernanda Restrepo, einer Psychologin, die im Hospital General in Medellín arbeitet und viele Patienten bei ihrem Krankheitsverlauf begleitet. Wir machten ein Treffen aus und ließen uns umfassend über ihre Tätigkeiten aufklären.

Sie erzählte uns, wie sehr sie ihren Beruf liebt und Menschen helfen will, mit welchen Patienten sie zusammenarbeitet und welchen Ablauf eine Intervention beinhaltet.

Der Hauptfokus ihrer Arbeit liegt auf dem klinischen Kontext der allgemeinen psychischen Gesundheit der Patienten. So begleitet sie die Patienten bei verschiedenen Lebenskrisen, wie zum Beispiel der Amputation von Körperteilen oder der Diagnose von Krebs. Dabei ist ihr wichtig, dass der Mensch als Ganzes betrachtet wird und nicht nur mit der Art seiner Erkrankung.

“El cuerpo habla lo que la mente calla” - Was der Körper sagt, verschweigt der Geist: Was die besondere Bedeutung der Verbindung von Körper und Geist hervorheben soll.

Ich wurde von dieser Frau sehr inspiriert und fand es sehr schade, dass nur so wenige Psychologen im Krankenhaus arbeiteten. Ich merkte selber in meinen Erfahrungen im Krankenhaus, dass ein großer Gesprächsbedarf vorhanden ist.

Ich denke, dass jedes Gespräch eine Auswirkung auf einen Menschen haben kann. Auch wenn es nur die Erweiterung der eigenen Perspektiven ist, so kann man verhelfen eher aus einer negativen Gedankenspirale zu entkommen, wenn man kommuniziert und den Menschen zeigt, dass sie mit ihren Problemen nicht alleine sind. Aber auch dabei zu verhelfen unsere Stereotype aufzulockern und Vorurteile loszuwerden.


Fazit

Nach der ersten Ankunft im Land erwarteten mich viele neue Eindrücke, die ich als sehr herausfordernd wahrgenommen hatte. Die neue Sprache, das Familienleben, die laute Musik bis mitten in die Nacht, das andere Klima, die Mentalität und andere Essgewohnheiten ließen mich besonders in den ersten Tagen sehr doll Heimweh verspüren.

Die Umgewöhnung und auch Akzeptanz von verschiedenen Unterschieden hat bestimmt zwei Wochen gedauert. Danach wusste ich manche Dinge sogar zu schätzen (Tipps & Tricks zum schnellen Fuß fassen in einem Land gibt es hier: Im Land ankommen). 

So fand ich es nicht mehr negativ, so viel Spanisch sprechen zu müssen, sondern sah es als eine Chance an, mehr lernen zu können. Und auch die reflektierende Begleitung meines Portfolios hat mir dabei verholfen, manche Umstände nochmal aus einem anderen Blickwinkel und viel tiefgreifender zu betrachten. 

Das Zusammenleben mit einer Familie aus Kolumbien sowie das Eintauchen in eine andere Kultur war eine spannende Erfahrung und zeigte mir, dass der Mensch so unglaublich anpassungsfähig ist. 

Ich bin sehr vielen tollen und herzlichen Menschen begegnet und nehme trotz des abrupten Endes wegen des Coronavirus' viele tolle Erfahrungen mit, die ich nicht missen will.

Etwas Gutes tun und dabei noch eine andere Kultur kennenlernen? 

Das kannst du - durch ein soziales Projekt im Ausland.

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