Karriere
July 16, 2020

Aus 8 Wochen wurden 7 Jahre - wieso AIESEC mein Leben verändert hat

“Und, was möchtest du nach deinem Studium machen?”

Wer kennt es nicht: So gut wie jeder hat mich das oft gefragt. Ich, Studentin aus Hannover, 21 Jahre alt, wusste nicht wohin mit mir.

Irgendwie schienen alle meine Kommilitonen die Antwort auf die Frage schon genau zu wissen. Ich suchte jedoch immer wieder nach Ausreden, um die Frage zu vermeiden, sobald sie aufkam. Natürlich war ich damit nicht glücklich - aber was tun? Ich wusste es einfach nicht.

Dann wurde ich auf die Studierendenorganisation AIESEC aufmerksam. Freiwilligenprojekte im Ausland - klang spannend. Da ich sowieso gerade für meinen Erasmus Aufenthalt abgelehnt wurde, ging es also 2013 ab nach Ghana!

Ich habe mir das Ganze gar nicht genau überlegt und bin einfach los. Denn wenn ich genauer drüber nachgedacht hätte, wären mir bestimmt genug Gründe eingefallen, es nicht zu tun. Aber dann kam ich aus der Sache nicht mehr raus, mein Flug war gebucht und ich hatte endlich auch mein Visum.

Den ganzen Hinflug habe ich nur geheult - warum mach ich das eigentlich?

Im Nachhinein kann ich nur sagen: Danke.

Danke Erasmus, dass ich abgelehnt wurde. Danke Mama & Papa, dass ich diese Möglichkeit hatte. Und danke an meinem Ex-Freund, ohne den ich nie von AIESEC erfahren hätte.


Denn in diesen 8 Wochen hat sich alles verändert.

Während dieser Zeit habe ich gemerkt, dass ich in Deutschland in einer ganz schön großen Blase lebe und die Welt ganz anders ist, als ich sie kenne. 

Schöner, bunter, chaotischer - und mit weitaus weniger Privilegien als die, mit denen ich aufgewachsen bin. Ich habe Menschen kennengelernt, mit denen ich sonst nie geredet hätte, Essen gegessen, das ich niemals angefasst hätte und mich in ein Land verliebt, über das ich vorher nichts wusste, außer dass es in Afrika ist.

Fenjas erste Teamerfahrung


In Ghana wurden mir zwei Dinge klar: 

  1. Ich weiß, was ich mit meinem Leben anfangen will: Ich will einen positiven Beitrag zur Gesellschaft leisten. Irgendetwas machen, was die Welt positiv verändert, auch wenn es nur ein kleiner Teil ist.
  2. Ich will, dass alle meine Kommilitonen diese Erfahrung machen. Ich will, dass alle Menschen die ich kenne, lernen, was ich gelernt habe - dass wir an der Welt, so wie sie ist, etwas verändern müssen. Und dass es die Verantwortung von jungen Menschen  - also unsere Verantwortung - ist, dies zu tun.


Also war für mich nach meinem Freiwilligenprojekt in Ghana klar: Ich muss AIESEC beitreten. Ich will in dieser Organisation arbeiten, die mir diese tolle Möglichkeit gegeben hat. Die Organisation, die ich in Ghana kennengelernt habe, mit ihren Mitgliedern, wöchentlichen Treffen, Konferenzen und Tänzen.

Wie die Zeit vergeht - das Ganze ist jetzt sieben Jahre her. Sieben Jahre, die ich mit AIESEC verbracht habe. Jedes Jahr habe ich mich gefragt: Soll ich noch ein Jahr bleiben? Ist es noch das, was ich machen will, woran ich glaube? Und jedes Jahr war die Antwort ganz klar: Ja.


Warum bin ich so lang bei der Organisation geblieben? 


Im Prinzip kann ich es mit drei Wörtern zusammenfassen: 

Purpose. Potential. People.


Purpose:

AIESEC wurde nach dem zweiten Weltkrieg gegründet. Gerade in Deutschland ist das immer noch ein sensibles Thema, aber wenn man sich damit auseinandersetzt, hat AIESEC ein sehr schönes Ziel: Menschen sollen in Frieden miteinander leben und ihr Potential ausschöpfen. 

Interkulturelles Verständnis wird immer wichtiger und als ich in Ghana gemerkt habe, wie viele Vorurteile ich unbewusst noch habe, wurde mir klar, dass das kein totgeschwiegenes Problem werden kann.

Gleichzeitig habe ich beobachtet, wie fast alle meine Kommilitonen das Gleiche wollten: Geld verdienen, Hauptsache irgendwas managen. 

Aber wieso nicht etwas Sinnvolles tun?

Mit dem ganzen Potential und den Privilegien, mit denen wir aufgewachsen sind, kann man doch sicher etwas bewirken.

In AIESEC habe ich Menschen kennengelernt, die für das einstehen, an was sie glauben. Die dafür auch am Wochenende arbeiten wollen. Die nach Feedback fragen, um sich zu verbessern, weil sie wissen, wofür sie es tun. Und die Verantwortung übernehmen für das, was sie machen.

AIESEC Online Konferenz
Auch in Zeiten von Corona müssen wir umdenken: Unsere erste, sehr erfolgreiche Konferenz komplett online


Potential:

Ich habe mein ganzes Leben nie Lust gehabt, etwas zu lernen oder mich weiterzuentwickeln. Aber wie soll sich die Welt verändern, wenn man sich nicht weiterbildet? In AIESEC hatte ich zum ersten Mal das Gefühl, dass es einen Unterschied macht, ob ich etwas kann oder nicht. Dass ich mir Mühe für etwas gebe oder versuche Dinge zu verstehen. 

Ich habe in den letzten Jahren so unglaublich viel mehr gelernt, als in jeder anderen Zeit meines Lebens. Jedes Jahr habe ich neue Fehler gemacht, oder manchmal auch nochmal die gleichen wie vorher. Jedes Jahr habe ich daraus gelernt, Dinge verbessert und sie meinen Teams mitgegeben. Jedes Jahr habe ich gesehen, wie meine Teamkollegen sich weiterentwickeln, sie an ihren Herausforderungen wachsen und sich verbessern. 


People:

Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit mit 21 Jahren gleichaltrige Menschen zu treffen, die Verantwortung übernehmen wollen? 

Ein Team zu leiten? 

Mit 700 Leuten aus ganz Deutschland zusammenzukommen, die alle das gleiche Ziel haben - Deutschland weltoffener zu gestalten und junge Menschen weiterzuentwickeln - Menschen, die aus über 110 Ländern kommen? 

Mit ihnen zusammenzuarbeiten und sich auszutauschen? 

Mitglieder von AIESEC Deutschland
Mitglieder von AIESEC Deutschland auf einer Konferenz

Ich habe keine Daten dafür, aber ich glaube das ist auch nicht der Punkt. Jede Person, mit der ich in AIESEC zusammengearbeitet habe, hat mich inspiriert und mich weitergebracht. Ich bin unendlich dankbar für jeden, den ich auf dieser Reise kennenlernen durfte. Die vielen Jahre in AIESEC haben mir gezeigt, dass eine Gruppe von Jungen Menschen viel schaffen kann.

Denn eins ist klar: Wir können alles schaffen - wenn wir es wollen.

In drei Wochen werde ich meine AIESEC Zeit beenden. Und auch wenn ich unendlich traurig bin, dass diese Zeit meines Lebens vorbei ist, so bin ich auch umso dankbarer dafür, dass ich sie hatte. Und wenn ich eine Sache bereue, dann dass ich AIESEC nicht eher gefunden habe.

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