Wie überwindest du den Kulturschock im Auslandspraktikum?

Unabhängig davon, was für eine Art von Auslandspraktikum du machst - erstmal im Land angekommen, wirst du eine andere Kultur und ein neues Land intensiv erleben. Ein Kulturschock ist unausweichlich!  

Egal, ob während eines Work & Travel Erlebnisses, beim Praktikum im Ausland, als Au-Pair oder einfach als Reisende/rwie kannst du den Kulturschock überwinden? 

Das Land muss gar nicht mal so weit weg sein. Auch schon diverse Länder in der EU haben solch andere Lebensstile, dass dieser Kulturschock so gut wie jeden trifft.

Was ist aber überhaupt ein „Kulturschock“?

Wenn man an die Begrifflichkeit eines Kulturschocks denkt, so können einem/einer Reisenden schnell viele Bilder in den Kopf geraten. 

Man steigt aus dem Flugzeug im Reiseland aus und ist von der Situation direkt überwältigt. Jeder benötigt etwas Zeit, um sich an die gegebenen Verhältnisse anzupassen. 

Das denken sicherlich viele, doch zumeist ist das Phänomen eines Kulturschocks ein eher schleichender Prozess

Bei einem Auslandspraktikum fühlt sich die Allgemeinheit in der ersten Zeit sehr euphorisch und freut sich darauf, neue Länder und Sitten kennenzulernen. Der Reiz des Abenteuers ist hier am größten und es beginnt die sogenannte „Honeymoon Phase“, in welcher man alles mit einer rosa-roten Brille betrachtet.

Ja tatsächlich – diese Phase gibt es nicht nur etwa bei Verliebten, sondern ebenfalls bei einem Praktikum im Ausland.

In der darauffolgenden Zeit gilt es immer mehr Erlebnisse zu verarbeiten, wodurch sich die Denkweise und die Sitten der einzelnen Person massiv umstellen müssen. 

Wertesysteme aus dem Heimatland sind in anderen Ländern häufig völlig unterschiedlich und es kann zu Missverständnissen kommen. Schnell stellt sich zeitgleich auch der Gewohnheitseffekt ein und die „rosa-rote Brille“ geht verloren. 

Sobald dann Gedanken wie „Zuhause ist alles einfacher“ oder „Daheim verstehen mich die Leute“ kommen, ist er eingetreten – der Kulturschock.


So häufig tritt der Kulturschock ein

Wie sagt man so schön: „Andere Länder, andere Sitten“. Dass das nicht immer zwangsläufig zu einem Kulturschock führen muss, sollte jedem klar sein. 

Doch ein Kulturschock kann jeden treffen, und zwar meist sehr unerwartet - selbst, wenn einem selbst das Land im Großen und Ganzen doch sehr gut gefällt. Jeder wird einen Kulturschock erleben - der eine mehr und der andere weniger. 

Auswirkungen von einem Kulturschock

Es kommt dabei immer darauf an, um welche Kultur es geht und wie die eigenen Werte und Normen sind, welche aus dem Heimatland mitgebracht werden. 

Sind die Differenzen besonders groß, so fällt es umso schwerer, einen solchen Kulturschock zu überwinden oder sogar von Anfang an zu vermeiden. 

Aber welche Phasen hat der Kulturschock denn eigentlich genau und welche Vorkehrungen können getroffen werden, sodass man dem Kulturschock nicht wehrlos ausgesetzt ist und diesen schnell überwinden kann? Wir wollen dir das im Weiteren genauer erklären. 


Die einzelnen Phasen des Kulturschocks

Wie bereits eingangs angemerkt, entsteht ein Kulturschock nicht von jetzt auf gleich. Vielmehr ist dies ein eher schleichender Prozess, wodurch die Betroffenen den vorliegenden Sachverhalt gar nicht unbedingt als „Schock“ wahrnehmen.

Damit du besser erkennen kannst, wann du an einem solchen Kulturschock leidest, haben wir hier die einzelnen Phasen zusammengestellt. Findest du dich selbst hier drin eventuell wieder?

Das sind die 4 Phasen des Kulturschocks

1. Phase: Die Honeymoon Phase

In der Honeymoon Phase ist alles hervorragend. 

Du steigst aus dem Flugzeug in dem neuen Land aus und hast diese gewisse Euphorie. Du sprühst nur so vor Tatendrang und kannst es kaum erwarten, das Land und die kulturellen Unterschiede zu erfahren und selbst auch einiges zu erleben. 

Besonders in Ländern, die weiter weg sind, kann sich das schon einmal wie eine „Parallelwelt“ anfühlen. Es prasseln so schnell so viele neue Eindrücke auf einen selbst ein und man fühlt sich als Teil eines großen Ganzen. 

Vor allem das Exotische reizt die Sinne und die schon erwähnte „rosa-rote Brille“ wird so langsam aufgesetzt. Jeder Tag ist nun anders als daheim und das nimmt die Psyche zumeist als eine großartige Abwechslung wahr. Es erscheint daher alles einfacher und viel interessanter.

Eventuell kann das sogar soweit gehen, dass man sich wünscht, zu einem späteren Zeitpunkt in diesem Land zu leben.

An diesen Symptomen erkennst du, dass du in der Honeymoon Phase bist:

  • Abenteuerlust
  • Positive Überreaktionen
  • Fernweh
  • „rosa-rote Brille“

die rosa-rote Brille aufhaben

 

2. Phase: Teil 1 - Missverstehen der neuen Kultur

Nun bist du schon ein paar Tage oder sogar Wochen im neuen Land und die anfängliche Euphorie verfliegt allmählich. 

In gewisser Weise denkst du nun, dass sich bereits so etwas wie ein „Alltag“ eingestellt hat. Umso mehr wirst du von den Missverständnissen mit der neuen Kultur nun aus der Bahn geworfen.

Dies beginnt bei der Sprache. Man ist nun einmal kein/e Einheimische/r und spricht die Sprache oft nicht fließend genug, um beispielsweise den Sinn für Humor in manchen Situationen zu verstehen, oder kann sich zumindest selbst nicht gut genug ausdrücken. 

Dadurch entstehen immer wieder unangenehme Situationen, woran sich die Betroffen häufig selbst die Schuld geben. Schließlich betrachtet man es als die eigene Aufgabe, sich an die Begebenheiten des neuen Landes anzupassen und damit gut umzugehen. 

So kann in den ersten Wochen - selbst bei guten Kenntnissen aus der Schule - der Faktor Sprache zu einem echten Problem werden.

Ebenfalls kommen mögliche klimatische Veränderungen hinzu, die sich vorerst auf die physische Verfassung des Körpers und später auch auf den Geist niederschlagen. Besonders dieser Faktor verursacht oft eine allgemeine Unzufriedenheit mit der Situation.

Last but not least ist es aber vor allem das alltägliche Leben, welches dich stört. Die Geschäfte sehen anders aus, Bus- und Bahnverbindungen sind ganz anders als im Heimatland und diverse Normen und Sitten werden anders bewertet. 

Dies sind nur ein paar Beispiele, die dazu führen können, dass man sich im Ausland einfach nicht mehr wohl fühlt und denkt: „Ich gehöre hier nicht hin“. 

Dies wird dann schnell als eine Art Niederlage betrachtet, welche man selbst verursacht hat. Man bekommt das Gefühl, dass man aus dieser verzwickten Lage gar nicht mehr so einfach heraus kommt. 

Der Rückflug ist schließlich erst in einigen Wochen oder sogar Monaten und man wollte doch eigentlich das Praktikum im Ausland so effektiv wie möglich nutzen. 

An dieser Stelle entsteht zudem ein persönlicher Druck, der immer weiter wächst. Es kann hier sogar dazu kommen, dass eine Angst vor Auslandsaufenthalten entsteht. Die sollte im Idealfall so schnell wie möglich abgelegt werden. 

So erkennst du diese Phase:

  • Heimweh
  • Schwarz-Weiß-Denken
  • Misstrauen gegenüber der neuen Kultur und den Menschen
  • Angst vor neuen Situationen

 

Der Kulturschock

2. Phase: Teil 2 - Die Vollendung des Kulturschocks

Nun ist der Kulturschock vollständig eingetreten und es werden vermehrt auch andere Menschen für die Situation und die bestehenden Probleme verantwortlich gemacht. 

Man sieht sich immer mehr als Außenseiter und hat das Gefühl, dass man neben dem täglichen Geschehen steht.

Ein Kulturschock ist ein schleichender Prozess, welcher auch immer als Krise mit dem eigenen „Ich“ betrachtet werden muss. Um aus diesem Kulturschock nun allerdings wieder auszubrechen, benötigt es einiges an Fingerspitzengefühl und Ehrlichkeit mit sich selbst.

Auf diesen Aspekt möchten wir im nächsten Teil des Artikels eingehen.

Dies können die Symptome sein:

  • Zurückziehen aus dem öffentlichen Leben
  • Störungen des Hungergefühls
  • Ratlosigkeit
  • Feindseligkeit gegenüber der neuen Kultur


3. Phase: Die Anpassung an die neue Kultur

Nach der Tiefphase geht’s endlich wieder nach oben! Man fühlt sich langsam etwas besser und freundet sich mit der aktuellen Situation an.

Grundsätzlich hat man zwar ab und zu noch ein paar negative und traurige Gedanken, aber man sieht diese von einem anderen Blickwinkel und adaptiert die Unterschiede. Man versteht so langsam, wieso sich die Menschen in dem Land so verhalten und fühlt sich immer wohler in der neuen Kultur.

Diese Phase ist hauptsächlich durch Anpassung und Verständnis gekennzeichnet. Nach und nach fühlt man sich immer mehr zu Hause und übernimmt sogar einige Verhaltensmuster.

Zudem beurteilt man die Situationen objektiver und erkennt so realistische Vor-und Nachteile der anderen Kultur im Vergleich zur eigenen.  

Die Symptome:

  • zufrieden & glücklich
  • ausgeglichenes Gefühl
  • Anpassung, wodurch sich die Bekannten aus der Heimat bereits wundern
  • Unternehmungslustig


4. Phase: Die Rückkehr im Heimatland

Zu Hause angekommen erfasst einen noch ein weiterer Kulturschock - und zwar der Reverse-Kulturschock des Heimatlandes. 

Damit dieser leicht zu überwinden ist, haben wir dir in unserer Sektion “Nach dem Auslandspraktikum” einen Artikel dazu geschrieben, finde ihn direkt hier: “Reverse-Kulturschock”.


Diese Maßnahmen kannst du gegen einen Kulturschock unternehmen

Die Maßnahmen, die gegen einen Kulturschock unternommen werden können, beziehen sich ausschließlich auf die Person selbst, nicht aber auf das Umfeld. 

Das bedeutet konkret, dass alle Dinge, welche du zur Überwindung des Kulturschocks unternimmst, auf dich selbst abzielen sollten und nicht auf die Personen, mit denen du bereits Verbindungen geknüpft hast. 

Dich selbst zu verändern wird dich in deiner Entwicklung weiterbringen - die Veränderung einer ganzen Kultur hingegen ist nicht möglich.

So ist es an erster Stelle vor allem wichtig, sich wirklich mit der neuen Situation auseinanderzusetzen. Viele Reisende müssen zum Beispiel einsehen, dass die Erwartungen an das Land zu hoch gesetzt waren und die Vorstellungen, die man sich vorher gemacht hat, so nicht eintreffen werden.

Maßnahmen zur Überwindung deines Kulturschocks:

1. Interpretiere nicht so viel hinein!

Das bedeutet, dass in Aussagen oder Missverständnisse nichts hineininterpretiert werden sollte, was gar nicht ausgesprochen ist. Versuche daher immer, beim tatsächlich Gesagten zu bleiben, wenn du dir rückblickend Gedanken über eine Situation machst. 

Du wirst dabei schnell merken, dass die Situationen doch eigentlich gar nicht so verzwickt sind und die Menschen es mit dir oftmals gar nicht böse meinen.

2. Die neue Kultur testen und genießen

Vielleicht erwischst du dich am Anfang deines Auslandspraktikums selbst auch noch allzu häufig dabei, wie du in westlichen Läden shoppen gehst, in großen westlichen Ketten isst oder auch etwa heimischen Bräuchen nachgehst. 

Versuche, dich bewusst zu öffnen, und habe keine Angst vor möglichen Sprachbarrieren in den Restaurants der Einheimischen oder etwa beim Einkaufen in kleineren und regionalen Supermärkten. 

Probiere das lokale Essen und geh auf einen Markt

Setze dir Ziele, wie du das Land besser kennenlernen kannst und dabei nicht nur übliche Touristenattraktionen besuchst. 

Sprich mit den Leuten und lerne neue Freunde kennen. Schnell wirst du auch hier merken, dass das Land doch nicht nur schlechte Seiten hat, sondern auch eine Menge positiver, die du in deinem Heimatland nicht für möglich gehalten hättest. 

An dieser Stelle beginnt dann auch ein ehrlicher kultureller Austausch, der dich sehr erfüllen wird.

3. Heimischen Aktivitäten nachgehen

Eben ging es darum, Neues zu erfahren und dabei auf die Kultur des Landes einzugehen. Dies schließt allerdings nicht aus, dass du den Aktivitäten aus deinem Heimatland nachgehen darfst. 

Du gehst zum Beispiel gerne zum Fitnesssport? Schön! Dann suche dir doch auch für die Zeit im Ausland ein nahegelegenes Fitnessstudio oder andere Möglichkeiten, deinen Hobbys nachzugehen - optimalerweise an Orten, an denen es möglich ist, neue Personen und Charaktere kennenzulernen.

So erfährst du zum einen mehr von dem Land und den Menschen, zum anderen aber auch etwas über dich. Nämlich dass du, egal wie weit das Land auch von Zuhause entfernt liegt, nach wie vor deinen eigenen Wünschen und Interessen nachgehen kannst und diese nicht zwangsweise an deine Heimat gekoppelt sein müssen. Wo auch immer du bist - du kannst trotzdem du selbst sein.

4. Akzeptiere die neue Kultur

Schlussendlich ist es dabei wichtig, auch für sich selbst die neue Kultur zu verstehen, diese zu akzeptieren und eventuell sogar auf sich selbst zu übertragen. 

So wirst du zu einem vielfältigen Menschen, welcher auch in seinem weiteren Leben mit unterschiedlichsten Menschen aus diversen Kulturkreisen gut zurechtkommt. 

Das Auslandspraktikum ist daher nicht nur eine Reise in ein anderes Land, sondern auch eine zu dir selbst! 


Dein Praktikum im Ausland steht noch bevor? So beugst du dem Kulturschock vor!

Nun hast du bereits erfahren, wie es überhaupt zu einem Kulturschock kommt und wie du diesen wieder loswerden kannst. Eventuell befindest du dich ja aber gerade noch vor deinem Auslandspraktikum und möchtest gar nicht erst in einen solchen Kulturschock verfallen.

Auch hier gibt es einige Maßnahmen, die du unternehmen kannst, um gar nicht erst einen Kulturschock zu durchleben, beziehungsweise diesen deutlich zu mindern.

Die Formel hier heißt einfach nur: Setze dich bereits im Vorfeld mit den Sitten und Normen des anderen Landes intensiv auseinander und denke darüber nach. 

Schaue dir an, wie die Menschen dort leben, wie sie essen und wie ihr Alltag aussieht.

Stelle dir dabei auch Fragen, welche dich im alltäglichen Leben erwarten können, wie z.B. „Wie lange haben die Supermärkte auf?“. In Spanien gibt es zum Beispiel eine lange „Siesta“ in den Mittagsstunden. Es empfiehlt sich daher, sich bereits im Vorfeld auf solche Begebenheiten einzustellen und sich zu überlegen, wie man diese Zeit auch sinnvoll und erfüllend nutzen kann.

Aber auch die Verhaltensregeln unter den Einheimischen des Landes sollten berücksichtigt und optimalerweise bereits im Vorfeld verinnerlicht werden. So kann es zudem vermieden werden, in eine Menge von kulturellen Fettnäpfchen zu treten. 

Während man sich in Frankreich zur Begrüßung gerne mal einen Kuss auf die Wange gibt, ist man beispielsweise in China deutlich distanzierter. In vielen EU-Ländern gilt das „Alles ok“ Zeichen als normale Handbewegung, während es allerdings in der Türkei eine Beleidigung darstellt. 

Informiere dich daher im Internet über dein jeweiliges Gastland und versuche, dir möglichst viele dieser Umgangsformen anzuschauen und mit in dein Auslandspraktikum zu nehmen.


Fazit zum Kulturschock

Ein Kulturschock kann jeden treffen und sollte so früh wie möglich erkannt werden. Denn je eher er erkannt wird, desto besser kann man dagegen ansteuern. 

Generell gilt aber auch, dass nicht jedes persönliche Dilemma im Ausland gleichzeitig ein Kulturschock ist oder sogar das Auslandspraktikum gefährdet. Schließlich gibt es unabhängig von der Kultur, genauso wie im Heimatland auch, immer wieder Situationen, welche einem nicht gefallen.

Es gilt also, sich mit der Situation zu arrangieren und geeignete Lösungen zu finden. So meisterst du nämlich nicht nur das Praktikum im Ausland, sondern wächst auch noch über dich hinaus und schaffst es, andere Kulturen noch besser zu akzeptieren und zu respektieren. 

Wenn du an diesem Punkt angelangt bist, hast du dein Auslandspraktikum erfolgreich gemeistert und kannst als glücklicher und erfüllter Mensch zurückreise

Als Vorbereitung und Hilfe im Auslandspraktikum steht dir dein/e Ansprechpartner/in von AIESEC jederzeit zur Seite. Melde dich einfach bei ihm/ihr - er/sie will nur das beste für dich und bemüht sich jederzeit, deine Situation zu verbessern. 

Du hast noch keine/n persönliche/n Ansprechpartner/in? Melde dich dafür unverbindlich bei AIESEC an - und schon wird sich eine/ein Studierende/r bei dir melden.

Initiative Transparente Zivilgesellschaft AIESEC